Sozi­al­dar­wi­nismus in der Psych­ia­trie des Dritten Reiches

Autor

Marco Di Bella

Einlei­tung oder Zusam­men­fas­sung

Ernst Ulrich von Weiz­sä­cker beschreibt die rassen­ge­neti­sche Ideo­logie der Natio­nal­so­zia­listen als „eine bewusst verbre­che­ri­sche Form“ des Sozi­al­dar­wi­nismus. Der Sozi­al­dar­wi­nismus, eine „sozio­lo­gi­sche Theorie, die unter Beru­fung auf Charles Darwins Lehre von der natürlichen Auslese auch die mensch­liche Gesell­schaft als den Natur­ge­setzen unter­worfen begreift und somit Ungleich­heiten, Unge­rech­tig­keiten o.Ä. als natur­ge­geben und deshalb als richtig ansieht“, wurde hier von der NS-Diktatur aufge­griffen, um syste­ma­tisch all das, was nicht in diese Ideo­logie hinein­passte, auszu­merzen. Dazu gehörten auch die geistig, körper­lich und seelisch behin­derten Menschen die ursprünglich in die Obhut von Pfle­genden und Ärzte der dama­ligen Psych­ia­trie gebracht wurden, in der Suche und Hoff­nung auf eine bessere Versor­gung, Pflege und Behand­lung, und dort Ausbeu­tung, Verlet­zung und den Tod fanden. […]

Quellen

  1. Arnolds W [Hrsg.] (1988): 9./10. November 1938. Die „Kris­tall­nacht“ im Sauer­land. Brilon
  2. Duden­re­dak­tion (2001): Duden. Band 5 „Fremd­wör­ter­buch“. Mann­heim
  3. Faul­stich H (1998): Hunger­sterben in der Psych­ia­trie 1914–1949. Mit einer Topo­gra­phie der NS-Psych­ia­trie. Frei­burg im Breisgau
  4. Hanrath S (2002): Zwischen „Eutha­nasie“ und Psych­ia­trie­re­form. Anstalts­psych­ia­trie in West­falen und Bran­den­burg: Ein deutsch-deut­scher Vergleich (1945–1964). Band 41 der Schrif­ten­reihe „Forschungen zur Regio­nal­ge­schichte“. Pader­born
  5. Henkel D, Roer D [Hrsg.] (1986): Psych­ia­trie im Faschismus. Die Anstalt Hadamar 1933–1945. Bonn
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  7. Klee E (1983): „Eutha­nasie“ im NS-Staat. Die „Vernich­tung lebens­un­werten Lebens“. Frank­furt a.M.
  8. Land­schafts­ver­band West­falen-Lippe [Hrsg.] (1964): West­fä­li­sches Landes­kran­ken­haus Mars­berg 1814–1964. Fach­kran­ken­haus für Psych­ia­trie. Fest­schrift zum 150-jährigem Bestehen. Münster
  9. Matten­klotz J (2001): „Die Psych­ia­trie im Natio­nal­so­zia­lismus unter Berück­sich­ti­gung der Pflege am Beispiel der West­fä­li­schen Klinik in Eickel­born“ In: Psych Pflege Heute 7(5), S. 273–283. doi: 10.1055/s‑2001–17848
  10. Teppe K (1989): „Massen­mord auf dem Dienstweg. Hitlers ‚Euthanasie‘-Erlaß und seine Durch­füh­rung in den West­fä­li­schen Provin­zi­al­heil­an­stalten“ In: Land­schafts­ver­band West­falen-Lippe [Hrsg.]: Texte aus dem Landes­haus Nr. 15. Münster
  11. Teppe K, Scholle M, Walter B, Kers­ting F‑W (1996): „Psych­ia­trie im Dritten Reich. Der Provin­zi­al­ver­band West­falen in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lismus“ In: Land­schafts­ver­band West­falen-Lippe [Hrsg.]: Texte aus dem Landes­haus Nr. 25. Münster
  12. von Weiz­sä­cker EU (1999): Wider den Sozi­al­dar­wi­nismus. Ökolo­gisch-evolu­tio­näre Refle­xionen. Vortrag im Rahmen des 28. Deut­schen Evan­ge­li­schen Kirchen­tages
  13. West­fä­li­sche Klinik für Psych­ia­trie [Hrsg.] (1989): 1814–1989. 175 Jahre West­fä­li­sche Klinik für Psych­ia­trie Mars­berg. Mars­berg
  14. Wolff H‑P, Wolff J (1994): Geschichte der Kran­ken­pflege. Basel

Schlag­wörter

Aktion T4Drittes ReichEutha­nasieMars­bergNatio­nal­so­zia­lismusPati­en­ten­tö­tungPsych­ia­trieSozi­al­dar­wi­nismus

Zita­ti­ons­vor­schlag

Di Bella M (2003): Sozi­al­dar­wi­nismus in der Psych­ia­trie des Dritten Reiches: Die Rolle der Pfle­genden am Beispiel der Mars­berger Kliniken. Haus­ar­beit. Köln